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Parkside Zapfenbohrer von Lidl im Test

In der Werbebeilage des Discounters Lidl entdeckte ich letzte Woche zufällig diverse Bohrersets der Eigenmarke Parkside welche zum Preis von knapp unter vier Euro angeboten wurden. Unter anderem interessierten mich hier das Forstnerbohrer und das Zapfenbohrer Set. Als es mich am Dienstag zum LIDL verschlug, waren die Forstnerbohrer leider schon ausverkauft, für den Preis kann man sich schon einmal einen Satz Forstnerbohrer zur Seite legen um im Notfall darauf zurück greifen zu können. Leider war ich hier zu spät!

Parkside Zapfenbohrer IDL

Bei den Zapfenbohrern sah die Sache schon anders aus, hier waren noch rund vier Sets übrig und eins davon fand den Weg in meinen Einkaufswagen und somit Einzug in meine Kellerwerkstatt. Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir bereits recht interessante Holzverbindungen vor!

Test der Parkside Zapfenbohrer

Natürlich konnte ich die Füße nicht lange still halten und musste die Zapfenbohrer ausprobieren. Bisher hatte ich noch keinerlei Berührungspunkte mit dieser Art von Bohrern, meine Neugierde war als geweckt.

lidl-zapfenbohrer-test03Im Paket befinden sich insgesamt 4 Zapfenbohrer mit den Durchmessern 6, 10, 13, 16. Der Durchmesser bezieht sich hier auf den Innendurchmesser des Bohrers, sprich auf den Durchmesser zu erstellenden Zapfens bzw. Holzdübels. Bei genauerer Betrachtung der Zapfenbohrer kamen mir bereits einige Zweifel was das Schneidverhalten in Holz betrifft. Eine wirkliche Bohrerschneide oder eine Spanabführung konnte ich beim besten Willen nicht erkennen, da Zapfenbohrer für mich allerdings Neuland sind, habe ich diese Zweifel vorerst verdrängt.

Test in Weichholz

Da ich von meinem aktuellen Projekt, der Eigenbau Bandsäge, mehr als genug Fichtenholz Abschnitte in der Brennholzkiste liegen habe, lag es nahe diese vor der Entsorgung im Kaminofen als Testobjekte zu verwenden.

Gesagt getan, der 16 Millimeter Zapfenbohrer wurde in meiner Bosch PBD40 Standbohrmaschine montiert und ein Stück Holz auf dem Bohrtisch platziert. Ich ließ die Bohrmaschine im ersten Gang mit rund 1.000 Umdrehungen in der Minute anlaufen und begann damit den ersten Zapfen meines Lebens in das Weichholz zu bohren.

Während ich munter vor mich hin bohrte fielen mir, aufgrund der Geschehnisse die nun folgten, meine soeben verdrängten Zweifel an der Qualität des Parkside Zapfenbohrerset wieder ein. Als erstes begann die Standbohrmaschine wie irre zu vibrieren, egal mit wie viel oder wenig Vorschub ich hier ans Werk ging. Sonderlich ausgewuchtet sind die Bohrer nun wirklich nicht.

Die dunkle Farbe des gelegentlich austretenden Bohrstaubs, der aus dem Bohrloch auftretende Rauch und nicht zu letzt der auftretende Gestank überzeugten mich nun endgültig davon, das meine anfänglichen Zweifel nicht übertrieben waren. Reinigende Auf- und Abbewegungen des Bohrers, wie beim Bohren mit einem Forstnerbohrer, brachten keinerlei Verbesserungen an der Situation.

Um sicherzustellen das dies nicht einer falsch eingestellten Drehzahl der Bohrmaschine zuzuschreiben war, bohrte ich noch jeweils ein Loch mit höherer und niedrigerer Geschwindigkeit. Das Ergebnis blieb gleich bescheiden. Die Optik der erstellten „Zapfen“ gleicht in etwa einem frisch gepressten Holzpellet. Die Innenseite des gebohrten Lochs war war schwarz wie Kohle, hier wurde mehr heraus gebrannt als das gebohrt wurde.

Test in Hartholz

Okay, eventuell sind die Zapfenbohrer ja ungeeignet für die Verwendung in Weichholz! Während ich diesen Gedanken noch nicht zu ende gedacht habe, wanderte auch schon ein Stück Buchenholz unter die Bohrmaschine. Mit diesem Stück Hartholz habe ich exakt den gleichen Test bei gleicher Drehzahl durchgeführt und das Ergebnis war genauso schlecht! Der einzige Unterschied lag darin das das verbrannte Buchenholz besser roch!

Mir stieg eine ein Geruch in die Nase welcher mich kurzzeitig ein wenig an frisch geräucherte Forelle erinnerte. Ein ganz kleines bisschen!

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Zuletzt aktualisiert am 22. April 2017 um 06:26 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Mein Fazit zum Zapfenbohrer Set

lidl-zapfenbohrer-test01Wie es bereits zu erwarten war, fällt mein Fazit zum Zapfenbohrerset ernüchternd aus! Ich habe knapp vier Euro für Schrott ausgegeben. Hätte ich für das Geld 6 Tüten Käseflips zum nahezu gleichen Preis mitgenommen, hätte ich länger Freude gehabt!

Hier wird einem auch wieder relativ schnell bewusst, warum einzelne Zapfenbohrer mehr als das dreifache dieses Sets kosten. Aber Hand aufs Herz, habe ich hier wirklich damit gerechnet ein High End Produkt zu kaufen?

Natürlich nicht,  doch ich habe schon erwartet mit diesem Bohrerset zumindest einen benutzbahren Dübel schneiden zu können. Nun habe ich Pellets!

 

 

9 Kommentare
  1. Ich habe seit längerer Zeit einen 15 mm Zapfenbohrer im Einsatz und bin sehr zufrieden damit. Ich habe aber auch knapp 40€ dafür bezahlt!
    Ich nutze die Zapfen beim Bau meiner Gartenbänke als Verbindungen für die Rückenlehne oder einfach als Propfen für 15 mm Löcher.
    4€ für so ein Set halte ich auch für sehr verdächtig…
    Deshalb vielen Dank für den Test und das Du damit andere Heimwerker vor einem Fehlkauf bewahrst!

  2. Ich habe sie mir auch geholt, obwohl ich noch nicht wusste, wann ich sie mal brauche.
    Vollkommen zweckentfremdet, aber ich habe dann damit in einem Feuerwehrschlauch vier Löcher gebohrt.
    Dabei war eigentlich klar, das das untergelegte Holz darunter leidet.
    Bei der ganzen Aktion habe ich dann vier anständig gebohrte Löcher im Fichtenholz vorgefunden.
    Ich war erstaunt, wie gründlich und scharf der Bohrer ist.
    Also ich hatte mit den Dingern keine Probleme.

  3. Ja, für diese Dinger musste ich auch einen Schrottalarm auslösen! Absolut unbrauchbar und resultierenden Zapfen kann man vergessen.

  4. einfach Klasse und so preiswert. Gute Ergebnisse, wenn man damit umgehen kann …

  5. Habe mir die Dinger auch gekauft und noch nicht eingesetuz. Um ehrlich zu sein: ich kaufte in dem Glauben, sie würden Löcher bohren, wie sich das für einen ordentlichen Bohrer gehört. Insofern gilt Dir mein Dank für das Aufklärungswerk. Und ich will mich auch gleich revanchieren:

    Denn wenn ich mir dein Foto anschaue, muß ich sagen: das konnte ja nix werden! Wo gibts denn Zapfen mit querlaufenden Fasern? Die müssen ja sofort abbrechen! Du mußt von oben ins Hirnholz bohren, d.h. mit dem Bohrer in Richtung des Faserverlaufs! Dann hat der Bohrer keine Fasern durchzuschneiden, sonder nur radial alles wegzuschmeißen, was da im Wege steht. Und dazu sollte er wohl in der Lage sein.

    Was mich dran ärgert: daß der Hersteller ein so erklärungswürdiges Produkt unkommentiert ins Regal stellen läßt.

    Grüße – Peter

    • Mit dem Hirnholz hast du natürlich recht, das habe ich mit gleichem Ergebnis ausprobiert.

      Die Bilder sind wahrscheinlich ein wenig unglücklich gewählt, trotzdem veranschaulichen sie das Problem recht gut.

  6. Die Zapfenbohrer sind m.W. nicht dazu da, um Dübel zu bohren. Ich kenne das so, wie von Hauke photographiert quer zur Faser zu bohren, um mit dem so gewonnenen Zapfen dann z.B. Schraubenköpfe „unsichtbar“ abzudecken. Also oberhalb vom versenkten Kopf Zapfen in Bohrung über dem Schraubenkopf einleimen und dann verschleifen.
    Es gibt Stufenbohrer zu kaufen, die die Durchgangsbohrung für die Schraube, Senkung und größere Bohrung für den Zapfen in einem Arbeitsgang herstellen. Sind aber richtig teuer.
    Bei einem feinmaserigen Holz ist der Schraubenkopf fast nicht mehr sichtbar.

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