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Fräslift – Die Oberfräse im Werktisch

Auf der Liste der Wünsche über den Funktionsumfang meines Werktisches war der integrierte Frästisch inklusive Fräslift ganz weit oben anzutreffen, also war dies auch eine der ersten größeren baulichen Veränderungen an meinem noch recht jungen Tisch. Ich berichte aber erst jetzt darüber da ich einige Wochen lang einen Prototypen im Einsatz hatte welchem ich vorerst die Kinderkrankheiten austreiben musste. Wider Erwarten hielten sich die Kinderkrankheiten am Fräslift in Grenzen und die Modifikationen zur nahezu finalen Version waren in wenigen Stunden vollbracht.

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Der Prototyp noch ohne Schubladenschienen und zweiteiligem Halter für die Oberfräse

Die verwendete Oberfräse im Frästisch

Da ich meine Bosch POF 1400 ACE im Handbetrieb lieben gelernt habe und die Anforderungen an eine stationär betriebene Oberfräse, zumindest in meinen Augen, bei weitem geringer sind als bei einem handgeführten Betrieb viel die POF 1400 schon einmal raus. Meine Bosch POF 52 hat wahrscheinlich zu wenig Leistung für den stationären Betrieb und ist mir für derartige Einsätze einfach zu schade, also musste etwas anderes her! Für wenige Euro, etwa fünf, erstand ich bei eBay eine gebrauchte Budget Oberfräse welche von der Grundform her einigen günstigeren Oberfräsen gleicht, sie sollte daher bei einem defekt schnell für wenig Geld ausgetauscht werden können. Budget ist oder war eine Hausmarke des Praktiker Baumarkts.

Als erstes demontierte ich den Fräskorb der Budget Oberfräse da ich die Oberfräse lieber stehend als hängend im Fräslift oder Routerlift platzieren möchte. Ein Vorteil dieser Variante ist die Möglichkeit um einiges tiefer Fräsen und den Fräserwechsel von oben vornehmen zu können, dazu später aber mehr. Der Nachteil dieser Montageweise ist die Tatsache das die Linearführung der Oberfräse nicht mehr weiter verwendet werden kann und der Lift diese Aufgabe übernehmen muss. Dazu muss der Lift um einiges Präziser ausgelegt werden als bei dem klassischen Fräslift mit Scherenwagenheber.

Die Fräsplatte

Die im Handel erhältlichen Fräsplatten (wie nennen sich die Teile eigentlich wirklich?) finde ich mit Preisen von 50 bis 100 Euro relativ teuer, immerhin sind es nur einfache Platten mit zwei bis drei Einsätzen. Daher entschloss ich mich dazu mir etwas eigenes einfallen zu lassen. Irgendwann bin ich im Keller auf eine alte Plexiglasplatte gestossen welche sich hoffentlich als tauglich erweisst. Die Platte ist 8 Millimeter stark und exakte Maße von 25×35 Zentimetern. Das schien perfekt, also wird meine Fräsplatte aus Plexiglas!

Die Materialwahl

Da ich vom Bau meines Werktisches noch einiges an 22 Millimeter dickem Multiplex übrig hatte wurde der Fräslift aus eben diesem Material gefertigt. Hier ist selbstverständlich auch dünneres Material möglich, bei der Lagerung der Gewindestange zur Höhenverstellung hat sich das dicke Material allerdings als recht nützlich erwiesen da ich zwei Kugellager verbauen konnte.

Benötigtes Material für den Frästisch

  • 22mm Multiplex
  • Plexyglasplatte
  • ca. 40 cm M12 Gewindestange
  • einige Spax-Schrauben
  • 2 Kugellager mit für die Gewindestange passendem Innenmaß (28x12x8 mm)
  • 4 Imbusschrauben mit Grobgewinde
  • 2 Sterngriffe zur fixierung
  • 2 etwa 5 cm lange Schrauben passend zu den Sterngriffen
  • 2 kurze kugelgelagerte Schubladenschienen
  • 1 lange M12 Mutter
  • 4 M12 Muttern
  • 2 Unterlegscheiben mit 12 mm Innendurchmesser

Der Bau des Frästisches / Routerlift / Fräslift

Leider habe ich während des Baus keine Fotos gemacht da das ganze eigentlich eher als Machbarkeitstest vorgesehen war, im Nachhinein betrachtet aber so gut funktioniert hat. Daher versuche ich mein Vorgehen anhand der Bilder des fertigen Lifts zu erklären.

Der Bau des Fräsgestells / Rahmen

Nachdem ich gemessen habe wie breit die Fräse ist und wie tief sie maximal heruntergefahren werden muss um trotz montiertem Fräse nicht aus der Tischplatte hervorzustehen begann ich mit dem Zuschnitt der benötigten Teile. Das sind in meinem Fall für das Gestell zwei Seitenteile, zwei Querstreben für den unteren Bereich von welchen eine die Kugellager zur Lagerung der Höheneinstellung aufnehmen muss. Für die Befestigung und Führung der Oberfräse natürlich die Befestigungsplatte, zwei seitliche Flügel welche ein Kippeln nach rechts und Links verhindern sowie zwei Läufer welche in einer Nut des Gestells laufen um zusätzlich zu den Schubladenschienen ein kippen nach vorn oder hinten verhindern.

Mit der Oberfräse habe ich als erstes in jedes Seitenteil zwei Nuten eingefräst. Eine dieser Nuten ist exakt 22mm breit und 1,5 Zentimeter tief, in dieser Nut wird später der Läufer welcher das Kippen nach vorn verhindert laufen. Die zweite Nut hat eine Tiefe von 10 Millimetern und dient der Aufnahme der Schubladenschienen.

Hier sind die Nuten zu erkennen

Hier sind die Nuten, der Läufer und die Schubladenschienen ansatzweise zu erkennen

In der Nut für den Läufer habe ich mittig zusätzlich eine 8 Millimeter breite durchgehende Nut für die Feststellschrauben eingefräst. In meinen Augen nicht unbedingt notwendig aber man weiss ja nie. Noch waren sie einfach herzustellen, sollte später mal etwas wackeln ist der nachträgliche Einbau ungleich aufwändiger.

In die Querstrebe welche zur Aufnahme der Kugellager dient habe ich von beiden Seiten mit einem 28 Millimeter breitem Forstnerbohrer 8 Millimeter tiefe Sacklöcher gebohrt so das die 28x12x8 Kugellager welche ich noch von der Reparatur meines Wäschetrockners übrig hatte satt saßen und oben bündig abschliessen. Die vier Multiplexteile wurden dann wie auf den Bildern zu sehen verschraubt. Um später Änderungen vornehmen zu können habe ich hier auf Leim verzichtet.

Die Schubladenschienen werden nun mit der Korpusseite in den flacheren Nuten der Seitenteile verschraubt verschraubt.

Bau des Fräshalters

Zur Halterung der Budget Oberfräse dient in meinem Fall lediglich eine Multiplexplatte in welche ich eine Öffnung gesägt habe welche dem Aussenmaß der Oberfräse entspricht. Da das Gehäuse der Fräse konisch verläuft sitzt diese ohne weitere Befestigung satt und vor allem sauber in der Multiplexplatte. Die Multiplexteile welche ich oben als Flügel betitelt habe werden in einem sauberen 90° Winkel an der Aufnahmeplatte befestigt, auch hier habe ich nur geschraubt. Die Läufer welche wie eine Schiene in der tieferen Nut des Rahmens laufen werden nun in Höhe der tiefen Nut auf die Flügel geklebt. Ich habe hier 2 Komponenten Epoxydharz verwendet.

Ebenfalls mit Epoxydharz habe ich eine lange M12 Mutter in die Halteplatte eingelassen und verklebt. Diese Mutter dient später zur eigentlichen Höhenverstellung der Oberfräse. Hierbei sollte penibelst genau darauf geachtet werden das die Mutter genau gegenüber der im Rahmen verbauten Kugellager liegt.

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Nun kann der Halter der Oberfräse in die Nuten des Rahmens eingelassen werden. Sollte sich der Halter nicht ohne weiteres in den Nuten verschieben lassen, sollten die Läufer mit feinem Schleifpapier ein wenig abgeschliffen werden. Zusätzlich habe ich die Nuten mit Holzwachs ein wenig geschmeidiger gemacht. Ist der Mechanismus nun gangbar werden die Schubladenschienen jetzt mit den Flügeln der Fräsaufnahme verschraubt.

Nun kann die Gewindestange durch die Kugellager eingeführt werden. Zwei der vier oben aufgeführten M12 Muttern und eine Unterlegscheibe mit 12 Millimeter Innendurchmesser  werden zwischen Kugellager und Fräshalter auf die Gewindestange geschraubt. Diese dienen später dazu sich gegenseitig zu fixieren und um auf dem oberen Kugellager aufzuliegen. Nun kann die Gewindestange im Fräshalter eingeschraubt werden.

Bau der Fräsplatte

fraestisch-routerlift02Der Bau der Fräsplatte ist relativ einfach, hierfür habe ich 4 6mm breite Sacklöcher 5 mm tief in die Oberseite der Fräsplatte gebohrt. Im Zentrum der Bohrungen habe ich dann eine 4 mm breite Durchbohrung erstellt. In diesen Löchern verschwinden die Köpfe der Imbusschrauben plan. Die gleichen Bohrungen habe ich dann auf der Oberseite des Rahmens gebohrt und Rahmen und Fräsplatte miteinander verbunden. Als letztes habe ich im Zentrum der Platte, dort wo später der Fräser aus der Fräsplatte schaut mit einem großen Forstnerbohrer eine Aussparung gebohrt. Je nach verbauter Fräse ist hier wie in meinem Fall ein weiteres Loch notwendig um die Arretierungstaste der Oberfräse betätigen zu können nötig.

Oberfräse in den Werktisch einlassen

Natürlich muss das Bauwerk nun noch in den Werktisch eingelassen werden, hierfür habe ich aus Restholz einen Rahmen an die Stelle der Tischplatte genagelt (ja genagelt, es ist ein Werktisch!)  und diesen mit einem 17mm Kopierring an der Bosch POF 1400 ACE und einem 12 mm Nutfräser abgefahren, dies habe ich solange gemacht bis eine 20 mm breite und 8 mm tiefe Nut entstand. An der Innenseite der Nut habe ich daraufhin ein Loch gebohrt und von dort ausgehend mit einer Stichsäge den Rest ausgesägt. Das Loch gewinnt aktuell noch keinen Schönheitspreis aber es funktioniert tadellos! Eventuell werde ich die Öffnung im Tisch bei akuter Langeweile nochmals sauber abfräsen.

Der Frästisch ist Fertig!

Der Frästisch beziehungsweise der Routerlift des Tisches ist nun fertig! Die Höhenverstellung lässt sich nun millimetergenau durch drehen der Gewindestange in Gang bringen. Das verstellen per Hand ist zwar recht aufwändig aber es geht! Hier lässt sich aber noch bequem ein Handrad oder ähnliches anbringen. Ich plane zurzeit den Motor eines alten Akkuschraubers zur Höheneinstellung einzusetzen und tüftle an einer entsprechenden Schaltung.

Weitere Bilder

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